Die Alraune (Mandragora officinarum) ist eine der berühmtesten Pflanzen der Geschichte. Um ihre menschenähnliche Wurzel ranken sich unzählige Geschichten, angeblich schreit sie, wenn man sie aus der Erde zieht. Als Gartenpflanze ist die Alraune vor allem ein Geduldsprojekt: Der Samen keimt langsam und unregelmäßig, die Pflanze folgt einem ungewohnten Rhythmus und bildet eine lange Pfahlwurzel. In dieser Anleitung erfährst du, wie du Alraunen aus Samen ziehst, wie du sie pflegst und warum Vorsicht geboten ist.

Du willst wissen, welche Rolle die Alraune früher in der Medizin gespielt hat? Dann lies die Alraune als Betäubungsmittel im Mittelalter.

Was ist die Alraune?

Die Alraune gehört zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae), wie Tomate, Kartoffel und Tollkirsche. Sie stammt aus dem Mittelmeerraum, unter anderem aus Italien und vom Balkan. Dort wächst sie auf tiefgründigem, sandigem und kalkhaltigem Boden, oft im Halbschatten.

Über der Erde siehst du kaum einen Stängel. Die Pflanze bildet eine flache Rosette aus großen, runzeligen, dunkelgrünen Blättern mit 30 bis 60 Zentimetern Durchmesser. Im Frühjahr erscheinen in der Mitte glockenförmige Blüten in Grünlichweiß bis Hellviolett. Danach folgen runde, gelborange Beeren mit starkem Duft. Unter der Erde wächst eine dicke, oft gegabelte Pfahlwurzel, die über einen Meter lang werden kann. Diese Form erklärt die menschenähnlichen Legenden.

So erkennst du die Alraune

  • Eine niedrige Rosette direkt auf dem Boden, ohne richtigen Stängel.
  • Große, ovale, stark runzelige Blätter mit welligem Rand.
  • Glockenförmige Blüten mit fünf Zipfeln in der Mitte der Rosette.
  • Runde Beeren, die von Grün zu Gelb oder Orange wechseln.
PflanzeMerkmalUnterschied zur Alraune
Mandragora officinarum (Alraune)Grünlichweiße bis hellviolette Blüten im FrühjahrDie Art aus dieser Anleitung
Mandragora autumnalis (Herbst-Alraune)Violette Blüten im Herbst, orange FrüchteEng verwandt, blüht in einer anderen Jahreszeit
Borretsch (Borago officinalis)Behaarte Blätter, blaue sternförmige BlütenEssbares Kraut. Junge Alraunenblätter wurden früher damit verwechselt, mit Vergiftungen als Folge
Mangold oder SpinatGlatte, glänzende Blätter an einem StielGemüse. Alraunenblätter sind rauer und liegen flach am Boden

Der Jahresrhythmus der Alraune

Die Alraune wächst anders als die meisten Gartenpflanzen. Sie folgt dem Mittelmeerklima mit nassen Wintern und heißen, trockenen Sommern.

ZeitraumWas die Pflanze tutWas du tust
Herbst und WinterNeue Blätter treiben ausMäßig gießen, vor starkem Frost schützen
FrühjahrBlüte, danach FruchtbildungGießen, wenn sich die Erde trocken anfühlt
SommerDie Blätter sterben ab, die Pflanze ruhtKaum gießen, die Wurzel lebt weiter

Erschrick also nicht, wenn deine Pflanze im Juni oder Juli welkt. Das ist keine Krankheit, sondern Sommerruhe. Wirf sie auf keinen Fall weg.

Alraune in 6 Schritten aussäen

  1. Weich den Samen ein. Leg getrocknete Samen ein bis zwei Tage in lauwarmes Wasser und wechsle das Wasser zwischendurch.
  2. Gib eine Kältebehandlung. Misch die Samen mit feuchtem Sand in einem verschlossenen Beutel und leg sie ein bis drei Monate in den Kühlschrank. Das ahmt den Winter nach und verbessert die Keimung deutlich. Du kannst auch im Herbst draußen säen und die Natur arbeiten lassen.
  3. Säe in einen tiefen Topf. Nimm eine lockere, sandige Erde und säe die Samen etwa einen Zentimeter tief. Wähl gleich einen tiefen Topf, denn die Pfahlwurzel wächst schnell nach unten.
  4. Halt es warm und hell. Nach der Kälteperiode keimen die Samen am besten bei etwa 20 bis 24 °C an einem hellen Platz.
  5. Halt die Erde gleichmäßig feucht. Aber nicht nass, sonst kann der Samen faulen.
  6. Hab Geduld. Frischer, gut behandelter Samen keimt manchmal schon nach ein paar Wochen. Älterer Samen kann Monate brauchen, und nicht jeder geht auf. Gib einen Saattopf also nicht zu früh auf.

Sämlinge und junge Pflanzen pflegen

  • Topf: tief und geräumig. Ein hoher Topf mit mindestens 30 Zentimetern Tiefe ist kein Luxus.
  • Erde: locker, sandig und durchlässig, neutral bis leicht kalkhaltig. Misch normale Blumenerde mit grobem Sand oder feinem Kies. Vermeide schweren Lehm.
  • Licht: Sonne oder leichter Halbschatten. In einem sehr heißen Sommer lieber etwas Schatten.
  • Wasser: Sämlinge gleichmäßig feucht halten. Ausgewachsene Pflanzen erst gießen, wenn die Erde ein paar Zentimeter tief trocken ist.
  • Umtopfen: so selten wie möglich. Die Pfahlwurzel ist empfindlich. Wenn es sein muss, dann im Frühjahr, während die Pflanze wächst, nicht in der Sommerruhe.
  • Dünger: Jedes Frühjahr eine Schicht Kompost oder ein milder organischer Dünger reicht.

Aus Samen gezogene Alraunen blühen und fruchten meist erst nach zwei Jahren oder später. Eine Pflanze kann Jahrzehnte alt werden und wird jedes Jahr größer.

Im Beet oder im Topf?

Die Alraune verträgt leichten Frost, aber nasse Kälte ist gefährlich für die Wurzel. In Mitteleuropa wächst sie am besten in einem tiefen Topf, den du in strengen Wintern frostfrei und trocken stellst, oder an einem geschützten, gut durchlässigen Platz im Garten mit einer Mulchschicht darüber. Setz sie möglichst nicht zwischen essbare Pflanzen im Gemüsegarten, um Verwechslungen zu vermeiden.

Typische Fehler

  • Säen ohne Kältebehandlung: Dann keimt der Samen oft gar nicht oder erst nach Monaten.
  • Ein zu flacher Topf: Die Pfahlwurzel rollt sich ein und die Pflanze kümmert.
  • Panik im Sommer: Absterbende Blätter im Juni oder Juli sind normale Sommerruhe.
  • Zu viel Wasser in der Ruhezeit: Die Wurzel kann dann faulen.
  • Häufiges Umtopfen: Jede Verletzung der Pfahlwurzel kostet die Pflanze eine Saison.

Sicherheit: Die Alraune ist giftig

Alle Teile der Pflanze sind giftig. Die Alraune enthält Tropanalkaloide wie Hyoscyamin und Scopolamin, dieselbe Stoffgruppe wie in Tollkirsche und Stechapfel. Die Einnahme kann zu Mundtrockenheit, verschwommenem Sehen, Herzrasen, Verwirrtheit und Halluzinationen führen und lebensgefährlich sein.

  • Trag Handschuhe, wenn du mit der Wurzel arbeitest, und wasch dir danach die Hände.
  • Halt Pflanze, Beeren und Samen außer Reichweite von Kindern und Haustieren.
  • Bau die Alraune nicht zwischen Blattgemüse oder Kräutern an, die du isst.
  • Beschwerden nach Kontakt oder Einnahme? Ruf deinen Arzt oder die 112 an.

Avalon verkauft die Samen zum Anbau und Sammeln, nicht zum Verzehr, und gibt keine Gebrauchsempfehlungen. Unsere Produkte sind nur für Erwachsene ab 18 Jahren.

Darf man Alraunen anbauen?

In Deutschland, den Niederlanden und den meisten europäischen Ländern darfst du die Alraune als Zier- und Sammlerpflanze anbauen. Prüf immer die Regeln in deinem Land, dafür bist du selbst verantwortlich.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert es, bis Alraunensamen keimen?

Das ist sehr unterschiedlich. Frischer Samen mit Kältebehandlung keimt manchmal innerhalb weniger Wochen. Getrockneter oder älterer Samen kann Monate brauchen.

Warum geht meine Alraune im Sommer ein?

Wahrscheinlich geht sie nicht ein, sondern in die Sommerruhe. Die Blätter sterben ab, und im Herbst treibt die Pflanze aus der Wurzel wieder aus.

Wie tief muss der Topf sein?

So tief wie möglich. Mindestens 30 Zentimeter, für ältere Pflanzen lieber mehr. Die Pfahlwurzel kann irgendwann über einen Meter lang werden.

Wann blüht die Alraune?

Mandragora officinarum blüht im Frühjahr. Aus Samen dauert es meist mindestens zwei Jahre bis zu den ersten Blüten und Beeren.

Sind die Beeren der Alraune essbar?

Nein. Behandle die ganze Pflanze, einschließlich der Beeren, als giftig.

Wo bekomme ich Alraunensamen?

Du findest Mandragora officinarum Samen in unserer Kategorie exotische Samen. Lust auf ein weiteres Anzuchtprojekt? Lies, wie du Hawaiian Baby Woodrose aus Samen ziehst.

Quellen: Pacific Bulb Society (Mandragora), Gardener's Path, Strictly Medicinal Seeds, Cases Journal (Alraunenvergiftung).